"Mit meinen Augen – BERLUC aus der Sicht eines Fans " - Zeitschrift "Neues Leben" (1988)![]() Berluc also. Ich bin kein Lokalpatriot, komme aus dem Bezirk Leipzig, genauer, aus Brandis. Und dennoch bin ich dran geblieben an dieser "Küstenband". Meiner Meinung nach ist diese Band wesentlich mitbeteiligt an der Geschichte und Entwicklung unserer Rockmusik. Immerhin existiert diese Gruppe (natürlich anfangs mit anderer Besetzung) so rund zwanzig Jahre. So richtig populär wurden sie aber erst vor zehn Jahren mit ihrem Ruf "Hallo Erde, hier ist Alpha". Das brachte erste Hitparaden–Plätze im Rundfunk. Inzwischen sind ja bereits 3 LP's bei Amiga erscheinen und acht Singles. Und wer kennt nicht solche Berluc–Titel wie "No Bomb", "Die Erde lebt", "Gradaus" und "Tausend Hände" – ganz engagierte Lieder, die einfach und geradlinig aufgebaut sind. Gerade das gefällt mir. Und so habe ich auch mal über Argumente nachgedacht wie diese: Die Texte seien simpel, weil oft 'zigmal bestimmte Zeilen wiederholt würden ("Die Erde lebt"). Inzwischen glaube ich, das gerade Rockmusik auch durch eine bestimmte Eindringlichkeit Wirkung erzielt. Manches tanzt sich nämlich einfach weg, aber anderes, oft wiederholtes, bleibt hängen und soll es auch. ![]() Trotz Besetzungswechsel, eines hat sich bei der Band nicht geändert: Immer haben die Musiker ein offenes Ohr für die Probleme und Meinungen ihrer Hörer, also derjenigen, die sie ja mit ihrer Musik erreichen wollen. Vieles findet man dann in den Liedtexten widergespiegelt. Die Umbesetzungen brachten auch eine Änderung der musikalischen Konzepte mit sich. Jetzt wird ohne Keyboards gespielt. Und mit den neuen Leuten kamen auch neue Lieder, die inzwischen schon in den Medien laufen: "Segeln mit dem Wind" oder "Nach Hause" (DDR–Hit des Monats wurden beide sogar). Der Bogen zwischen Rockigem und Balladenhaftem soll auch künftig beibehalten werden. Richtung "Scorpions" wollen sie ziehen, ohne abzugucken, ohne nachzuspielen. Ich wünsche mir auch, das sie Berluc bleiben, so, wie ich sie beim Rockrummel in Gera oder bei GO–Rock in Rostock erlebte. Und neben ganz neuen Titeln wie "Adern der Welt" oder "Zeit hat kein Zuhaus" hör' ich auch gern die alten Lieder ("Glaube an dich" oder "Hallo Erde..."). Trotz ihrer "Reise zu den Sternen" hat die Band nie den Boden unter den Füßen verloren, meine ich. Und auch ihre Zielstellung für 1988 ist ohne größenwahnsinnigen Höhenflüge: Viele schöne Konzerte, ein interessiertes Publikum, die Beibehaltung der jetzigen Besetzung und – wenn irgend möglich – ein positiver Bescheid von Amiga zwecks neuer Platte. Ich werde jedenfalls auch weiterhin zu einigen ihrer Konzerte fahren, wenn ich's irgendwie einrichten kann. Oft haben mir ihre Lieder geholfen, Tiefpunkte zu überwinden, haben mich angespornt oder mir Mut gegeben. Vielleicht können sich das viele nicht vorstellen. Aber liegt das nicht auch daran, das es einfach oft Vorurteile gegenüber unserer Rockmusik gibt? Dabei kennen manche kaum ein paar Titel. Ich finde übrigens auch nicht auf Anhieb alles so gut, was Berluc macht. Aber: Jeder hat so seine Top–Band, und meine ist halt Berluc. Ich hoffe, ihr akzeptiert das, auch wenn ihr auf ganz andere Musik steht. Und das war eigentlich mein Anliegen. Denn ich find's echt unfair, wenn sich AC/DC–Anhänger, City–Fans oder Michael Jackson–Verehrer gegenseitig als schwachsinnig bezeichnen. Guckt euch doch mal ein Konzert an. Zu finden sind sie eigentlich überall; diese Band tourt landauf landab, und wird dabei nicht müde. (von Thomas Büttner) "BERLUC im Aufwind" - Zeitschrift "Melodie & Rhythmus" (1988)Mit dem Single-Hit "Hallo Erde hier ist Alpha" machte die 1975 gegründete Rockband aus Rostock einst von sich reden. Seit etwa einem Jahr nun spielt Berluc in veränderter Besetzung und entwickelt sich seitdem zu einer lyrisch-balladenorientierten Hardrockband, die melodisch eingängige Rockmusik bevorzugt. Zu Dietmar Ränker und Tino Schultheis am Baß (seit 1984) kam Gitarrist Johannes Pistor aus der Rostocker Gruppe Frogg, der jetzt auch für Berluc komponiert. Ebenfalls neu: Bernd Fleischer (g, keyb; ehem. Meridian), dessen Fähigkeiten für Arrangement und Komposition durch die Band gefordert werden, sowie Ralf Dohanetz als dynamischer Sänger, der sich u.a. durch expressive Melodiegestaltung auszeichnet. Er wird in diesem Monat beim Nachwuchsfestival "Goldener Rathausmann" in Dresden dabeisein. Gerade ist bei AMIGA eine Berluc-Quartett-Single erschienen, und die Band bereitet darüber hinaus ihre vierte LP vor (nach 1979 "Reise zu den Sternen", 1982 "Hunderttausend Urgewalten", 1984 "Rocker von der Küste"). Mit dem jungen Rostocker Textautor Ingo Barz setzt Berluc weiter auf hitgemäße Refrains und eine Sprache, die den Nerv der Fans trifft.Bericht über BERLUC - Zeitschrift "Metal-Hammer" (1989)![]() Chef von Berluc ist Dietmar Ränker, Trommler und Klabautermann, in Ehren ergraut, aber immer noch fit für einen Jump übers Schlagzeug und für freundschaftliche Dialoge mit den - der Welt entrückten - Fans: "Jetzt geb ich euch's, ihr Hunde!" Ränker ist übrigens der einzig übrig gebliebene Berlucer. "Wir waren 'ne ziemlich alte Band geworden," sagt er, "und ich mußte aufpassen, daß das nicht zur Behäbigkeit ausartet." Er weiß, wovon er redet, denn "... unsere Spitzen-Acts sind alle ein bischen in die Jahre gekommen. Bisher lief ja auch alles schön reibungslos. Die Konzerte stimmten, die Kohle stimmte, die Plattenproduktionen liefen alles war rundherum so richtig schön und gemütlich. Und auf einmal waren die jungen Bands da! Die jungen Typen fackeln nicht lange, da geht's zur Sache, daß die Heide wackelt! Da riechst du förmlich die Spielfreude, und - das Wichtigste - da ist plötzlich eine ernstzunehmende Konkurrenz! Und da gibt's eben nur eins: nachziehen, mitmachen. Ich habe zwar an unserem musiklaischen Grundgestus nicht viel geändert, aber ich habe rigoros die Besetzung verjüngt, und das mußte ich machen, um BERLUC am Leben zu halten." Die Fans nahmen diesen Liebesdienst gerne an, sie aktzeptierten die Blutauffrischung, kamen in wahren Pilgerzügen zu den Konzerten und machten die ersten drei Singletitel der neuen Besetzung zu jeweiligen DDR-Rundfunk-Monats-Hits. Neben Ränker gehören heute zu BERLUC die beiden Gitarristen Bernd Fleischer und Hannes Pistor, der Bassman Tino Schultheiß und der Sänger "Ralle" Dohanetz (Ex-REGENBOGEN, ein Super-Talent!) Durchweg ausverkaufte Konzerte, drei Langspielplatten, neun Singles und EP's, mit der Nummer "No Bomb" an der Spitze der DDR-Hits 1983, daß heißt schon was für eine Metal-Band im anderen teils Deutschlands. Hard'n'Heavy-Gruppen sind seit jeher die ungeliebten Kinder des Arbeiter- und Mauern-Staates, sie haben's weitaus schwerer als ihre weichgesichtigeren Poprock-Standeskollegen. Die lauthals rausgebrüllten Messages der löwenmähnigen Hartmetaller und Thrash-Flegel waren und sind den sauberkeitsfimmeligen Kulturfunktionären immer ein Dorn im Auge. Magdeburgs Kultband KLOSTERBRÜDER z.B. trieb man zunächst zur Änderung des anrüchigen, unrevolutionären Gruppennamens, zur Aufweichung ihrer Musik, dann zum Ausreiseantrag und in den Knast. Die Ost-Berliner Metal-Band BABYLON mußte vor Jahren, um ihr erstes Songmaterial tapen zu können, sämtliche Texte ändern, die Formation MCB METER (Kommentar eines DDR-Rundfunkmannes: "Blut, Trümmer, Horro") hatte absolute Mediensperre. REGENBOGEN, eine Heavy-Band reinsten Wassers, ging 1984 geschlossen nach West-Berlin und firmiert heute dort unter dem Namen PREUSSEN, auch die Ost-Berliner Mundart-Metal-Crew FORMEL 1 ("Willste nich uffstehn, ick muß uff Arbeit jehn") hat sich mittlerweile aus der DDR-Szene ausgeklinkt. Einzig PRINZIP (die Band des fuchsschlauen und listigen Jürgen Matkowitz), BABYLON und eben BERLUC überlebten, wurden geduldet und - was immer das heißen mag - auch "gefördert". Aber einfach war's dennoch nicht, denn es gab da z.B. den "Leiter des Forschungszentrums populärer Musik am Bereich Musikwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin (!!!) Peter Wicke, der sich zum Heavy-Rock folgende Böswilligkeit ausdachte: "Äußeres Erscheinungsbild der Bands mit schwarzer eisenbeschlagener Lederbekleidung, die mit Gewaltmetaphern durchsetzte Sprache der Songtexte, die brutalen Männlichkeits-Stereotype im Bühnenverhalten und der metallische Sound in überdimensionaler lautstärke ließen aus der Rockmusik hier eine gespenstige Horrorshow werden." (P. Wicke, Anatomie des Rock, VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig, 1987). Die DDR-Kulturfunktionäre lasen's gern. Mittlerweile ist aber auch im DDR-Metal-Rock die Perestroika eingeläutet worden. Die stählernen Stirnplatten der ostdeutschen Kultur-Apparatschiks wurden zur lustvollen Zielscheibe vieler junger, neuer Bands. Die lassen sich nicht mehr viel sagen, sondern ziehen ihren Lederstiefel eichfach durch. Hard'n'Heavy hat sich zu einer mächtigen und starken Szene verselbstständigt, Gruppen wie FEUERSTEIN, BIEST, COBRA, BABYLON, MERLIN oder METALL setzten in diesem Lärmprozeß die Kanckpunkte. Geknackt hat's auch bei dem einzigsten DDR-Rock-Label AMIGA, dessen immer etwas dümmlich argumentierender Chefredakteur Büttner die Zeichen der Zeit erkennen mußte, einen Heavy-Sampler pressen ließ und neue Porträt-LP's von BABYLON und PRINZIP veröffentlichte. BERLUC allerdings steht zur Zeit außen vor und muß wieder mal die höhnische Macht der AMIGA-Monopolisten spüren. "Wir haben ein komplettes Konzept für unsere vierte Langspielplatte vorgestellt, die Songs sind alle fertig, aber das ist alles erst mal auf Eis gelegt, also abgelehnt worden. Und das ist eben die Scheiße: Es gibt kein zweites Label, wo du dein Material veröffentlichen kannst!" Dietmar Ränker mault zu Recht, und er fügt hinzu: "BERLUC hat zur Zeit einen absoluten Top-Status bei den Fans, da muß unbedingt eine neue LP her!" Nicht zuletzt wegen solcher Beispiele wird in der DDR der Ruf nach einem zweiten Label immer lauter, auch eine Forderung nach mehr Auftrittsmöglichkeiten im Westen. Klar, jede Gruppe zwischen Rostock und Jena wünscht sich 'nen West-Gig, weniger aus ökonomischen Gründen, mehr zur Horizont-Erweiterung. Abgegrast ist die kleine DDR allemal, und Auftritte in Hamburg oder Essen sind vielleicht auch'n bischen interessanter als die dreißigste Ochsentour durch die Kreiskulturhäuser von Wismar bis Annaberg-Buchholz. Aber nicht alle Spitzen-Acts kamen (und kommen) in disen Genuß. "Reisekader" muß man sein, "durchgecheckt" von den nimmermüden und wachsamen Genossen der Staatssicherheit. Und wehe, einer der Musiker hat mal vor 20 Jahren die Miete nicht bezahlt oder hat 'nen Schwippschwager in Bad Hersfeld! "Nu, das dud uns leid, da gönn Se unsre soschialischte DDÄR nisch würdig beide Glassenfeind verdrädn." BERLUC hat ganz Ost-Europa bereist, irgendwie und irgendwann soll's auch mal in die andere Richtung gehen. "Tauwetter" heißt einer ihrer neuen Titel, "da bricht das Eis", erklärt Dietmar Ränker, "das kannste interpretieren, wie du willst." Und auf das leidige DDR-Problem der harsch zensierten Rocktexte angesprochen, sagt er: "Wir nennen die Dinge schon beim Namen, mehr noch die jungen Bands und das ist absolut okay. Natürlich können wir nicht alles sagen", stellt er fest, um jedoch DDR-typisch sofort zurückzubeißen: "Aber auch bei euch kann man nicht alles sagen! Weißt du, gute Texte müssen sein, Probleme sollen schon drin vorkommen, aber dieses ewige 'Rummeckern', das bringt uns auch nicht weiter!" Wohin es BERLUC bringen kann, steht noch in den Sternen. (von Harry Balkow-Görlitzer) |
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