"Rock von den Prinzzen" - Zeitschrift "Melodie & Rhythmus" (1985)![]() Im Sommer letzten Jahres tourte PRINZZ mit dem "Auto-Rodeo", im Herbst bekam Kerstin Radtke beim Dresdner Kleinen Schlagerfestival "Goldener Rathausmann" den ersten Preis und den der Presse. Unlängst fungierten die Erfurter erneut als Begleitband Heinz-Jürgen Gottschalks bei seiner Funkproduktion "Wird ein Leben neu geboren", im Mai ist ein "rund"- Auftritt der Band geplant, auch stehen neue Rundfunkproduktionen ("Im Traum", "Mama") ins Haus. Eine Menge Arbeit ist nötig, um ihr Konzept - eingängige Rockmusik mit guten Texten - zu verwirklichen und das Team nutzt die Unterstützung der Weimarer Musikhochschule, um theoretisch sowie instrumental sattelfest zu werden. Auf 20 Titel soll jetzt das Konzertprogramm erweitert werden und PRINZZ arbeitet an einer Show. Band-Porträt PRINZZ - Zeitschrift "Melodie & Rhythmus" (1986)![]() Ein Jahr später erhielten die fünf bei der Werkstattwoche der Jugendtanzmusik in Suhl bereits einen Förderpreis der FDJ. Ihre Titel "Ich wart' auf dich", "Liebe im Fahrstuhl" und "Ich steh' auf DT 64" alle selbst komponiert und getextet wurden schnell bekannt. Der Grund: Die Texte sind einfach und verständlich, die Musik ist unbekümmert und direkt. 1984 wurde Prinzz von den Lesern des Jugendmagazins "neues leben" zur beliebtesten Amateurband gewählt. Und Kerstin Radtke erhielt beim "Goldenen Rathausmann", dem Kleinen Schlagerfestival in Dresden, einen ersten Preis und den Preis der Presse. Selbstverständlich, daß Prinzz auch bei "Rock für den Frieden" dabei war. Auch ihre neuen Titel, "Alle wollen nur seine wunderschöne Freundin kennenlernen", "Mama" und "Im Traum" laufen gut. Kerstin studiert an der Musikhochschule "Franz Liszt" in Weimar Gesang, jetzt bereits im 3.Jahr, und auch für ihre "Prinzzengarde" ist die Musik noch immer liebste Freizeitbeschäftigung neben Beruf und Studium. Zur Zeit arbeiten sie an einer eigenen Show mit 20 eigenen Titeln. "Wer küßt die Prinzen wach?" - Zeitschrift "Metal Hammer" (1989)![]() Wie auch immer, in der sozialistischen Sowjetrepublik Litauen, die Band trat dort vor etlichen tausend Zuschauern auf dem Lituanika-Festival auf, kam ihr angelsächsisches Material hervorragend an. Was nicht weiter verwunderte, da Prinzz, wenn auch gelegentlich unüberhörbar inspiriert von Anthrax oder Metallica, sehr wohl eine Band von sozialistischer wie kapitalistischer Oberhaus-Klasse ist. Was, nicht nur, aber doch zu einem großen Teil, ein Verdienst der Sängerin Kerstin Radtke sein dürfte. Die nämlich sieht nicht nur gut aus, sondern kann zudem noch singen. Entsprechend gewaltig (ohne Doppelsinn!) kommt sie auf der Bühne. Kein Wunder, daß in der DDR Metal-Fans zuhauf anreisen, wenn Prinzz livehaftig angesagt sind. Genau dieser Umstand ist es jedoch auch, der hin und wieder zu Problemen führt, "Veranstaltungen müssen bei uns generell von der Volkspolizei genehmigt werden. Irgend so ein Mensch im Volkspolizei-Kreisamt, meistens schon so um die fünfzig Jahre alt, entscheidet dann, ob man spielen darf oder nicht. Diese Entscheidungen werden sehr willkürlich getroffen. 'Kommen viele Langhaarige??? Ja?! Dann verbieten wir das mal besser.' Damit ist man als Band automatisch auf einer schwarzen Liste, die an alle Veranstalter des Kreises geht. Das kommt praktisch einem Auftrittsverbot gleich." Prinzz wissen, wovon sie reden, denn im Kreis Saalburg sind sie selbst betroffen. Das Musikerleben ist hart in der DDR. Systemunterschiede: In der BRD hat jeder Mensch das RECHT auf Arbeit, in der DDR hat jeder Bürger die PFLICHT zur Arbeit. Das beseitigt zwar auf dem Papier das Problem der Arbeitslosigkeit, führt aber auch gelegentlich zu haarsträubenden Auswüchsen. "Wenn dieser Pflicht nicht nachgekommen wird, dann geht's ohne Umschweife ab in den Knast. Wer länger als drei Monate nicht arbeitet, bekommt Ärger mit dem Arbeitsamt. Eine Ausnahmeregelung gibt's nur dann, wenn man dem Amt nachweisen kann, daß man von von Haus aus gut genug betucht ist, seinen Lebensunterhalt ohne Arbeit bestreiten zu können - was natürlich kaum jemand kann." Entsprechend schwer haben's Amateurmusiker in der DDR. Amateure müssen eine reguläre Arbeitsstelle haben, sonst werden sie erst gar nicht als Musiker zugelassen - und haben damit auch keine Chance, irgendwo aufzutreten. Außerdem muß man ein Zertifikat der Arbeitsstelle vorweisen können, in dem bestätigt wird, daß man ein gesetzestreuer und braver Bürger ist." Ein fragwürdiges System und reichlich entnervend für diejenigen unter den Amateuren, die genug Gigs haben, um davon halbwegs bequem leben zu können. dennoch aber jeden Morgen um sechs Uhr zur Arbeit müssen. ![]() Ungewöhnlich für DDR-Verhältnisse ist immer noch der englische Gesang. Der bringt, neben der gewonnenen Internationalität einen weiteren Vorteil mit sich: "Wir machen immer wieder Tapes und Aufnahmen für den Rundfunk. Die haben dort eigens ein Lektorat, das sich nur damit beschäftigt, die Texte auf eventuelle jugendgefährdende, antisozialistische oder sonstige nicht konforme Inhalte durchzuhören. Mit der englischen Sprache tun sich einige der Lektoren ziemlich schwer, so daß uns manche Inhalte leichter durchgehen, die normalerweise zensiert werden würden." Ein Song übrigens, der im Rundfunk gespielt worden und dort nicht unbedingt gut angekommen ist, entwickelt sich inzwischen zu einem echten Prinzz-Hit. "Tarantella" heißt das Ding und wäre auch in unseren Landen durchaus eine Chartsnotierung wert. Hoffen wir, daß es bald gelingt, Prinzz auf das magisehe Vinyl zu bannen und daß fürderhin möglich wird, was in der musikalischen Kooperation mit der UdSSR fast schon Alltag ist: Uneingeschränktes Touren für deutsche Bands Ost und deutsche Bands in alle Himmelsrichtungen und Regionen dieser Erde ohne antiquierte Grenzprobleme oder ähnliches. (von Edgar Klüsener) "Life in Wolgast" - Fanzine "Loud 'n' Proud" (1990)![]() Beide Gruppen stellten sich mit einem 90-Minuten-Set vor, wobei BLITZZ als Support von HOLY MOSES einen sehr schweren Stand hatten. Die Musiker, die bis auf das ANTHRAX-Cover "Antisocial" ausschließlich eigenes Material vorstellten, überzeugten aber durch komplexe Titel mit ausgefeilter Harmonik und superben Arrangements. Auffallend war ferner die Souveränität, mit der Front-Frau Kerstin Radtke on stage agierte und nicht nur das Publikum, sondern sich MIT dem Publikum unterhielt. Alles in allem: BLITZZ stellten sich hier in Wolgast hochgradig professionell vor und untermauerten damit ihre Spitzenposition unter den Metal-Bands der DDR. Höhepunkt des Abends waren natürlich die 1979 in Aachen gegründeten HOLY MOSES. Die Band, die spätestens seit dem Erscheinen ihres dritten Longplayers "The New Machine Of Liechtenstein" zu den besten Thrash-Bands der Bundesrepublik gehört, stellte sich in einer Top-Form vor. Angeführt von ihrer überaus attraktiven Sängerin Sabina Classen, spielten sich HOLY MOSES vorwiegend mit Kompositionen ihres letzten Longplayers in die Herzen der etwa 350 anwesenden Fans. Ein besonderer Leckerbissen für alle Heavy-Metal-Fans war dann die gemeinsame Aufführung des AC/DC-Klassikers "Highway To Hell", bei dem alle Musiker noch einmal auf der Bühne standen. Don't forget the roots - in diesem Sinne kann man nur auf eine baldige Realisierung eines ähnlichen, leider in unseren Breiten immer noch viel zu raren Konzertereignisses hoffen. (von Thomas Pfennig) |
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